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Zahlen und Fakten von Erdwärmepumpen.
Jahresarbeitszahl
Über das Jahr verteilt ändern sich die Temperaturen, unter denen die Wärmepumpe arbeiten muss. Auch die gesamte Auslegung eines Wärmepumpen-Heizungssystems hat Einfluss auf seine Effizienz. Außerdem schwankt die von der Wärmepumpe abzugebende Wärmeleistung sehr stark durch Änderung der Luft- Außentemperatur zwischen Nennleistung und Null.
Daher wird für das gesamte Wärmepumpenheizungssystem die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ) verwendet. Sie gibt das Verhältnis der über das Jahr abgegebenen Heizenergie zur aufgenommenen elektrischen Energie an und liegt in der Größenordnung von 3 bis 4,5.
Beispielrechnung
Heizdauer: Eine Stunde mit einer Erdwärmepumpe mit 10 kW thermischer Heizleistung.
Bei einer Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe (Verhältnis von abgegebener thermischer zu aufgenommener elektrischen Energie) von 4, beträgt die Stromaufnahme für 10 kWh(therm) /4 = 2,5 kWh aus dem E-Werk.
Je nach Qualität des Brennstoffes entsprechen die oben erzeugten 10 kWh thermischer Energie dem Heizwert von etwa einem Liter Heizöl EL (42.600 kJ/kg bzw. 10,08 kWh/Liter) oder einem Kubikmeter Erdgas, die direkt im Haus zur Wärmegewinnung eingesetzt werden, jedoch noch unter Außerachtlassung des Wirkungsgrades eines alten Heizkessels mit rd. 70 %, womit 30 % Konvektions- und Abgasverluste darstellen. Selbst aktuelle Brennwertkessel, die mit feuerungstechnischen Wirkungsgraden über 100 % werben, erreichen in der Praxis (mit Stillstandsverlusten bei ca. 20000 Brennerstarts) meist keine 80 %.
Umweltverträglichkeit
Die Umweltverträglichkeit einer Wärmepumpenheizung hängt im Falle der Elektro-Kompressions-Wärmepumpe von der umweltverträglichen Bereitstellung des Stromes ab. Dieser Punkt wird deshalb in Deutschland mancherorts diskutiert, da vielfach davon ausgegangen wird, dass zusätzlicher Strom, durch zusätzliche Kohle- oder Atomkraftwerke erzeugt werden müsste. Wärmepumpen sparen in der Gesamtbetrachtung jedoch Brennstoff bzw. Primärenergie ein, da sie den Großteil Wärmeenergie vor Ort der Umgebung (siehe Absatz Wärmequellen) entnehmen. Brennstoffe für Heizzwecke machen den Großteil des deutschen Primärenergiebedarfs aus. Wärmepumpen bieten an dieser Stelle Potential zur CO2-Einsparung.
Wird der Strom für die Wärmepumpe aus dem Beispiel oben in einem Kraftwerk mit angenommenen Gesamtwirkungsgrad von 45 % produziert, so müssen im Kraftwerk für eine Stunde privaten Wärmepumpenbetrieb 10 kWh/4 / 45 % = 5,56 kWh thermischer Energie aufgewendet werden, also nur grob die Hälfte des Primärenergieverbrauches einer hausinternen Gas- oder Öl-Heizung aufgewendet werden (10 kWh). Betrachtet man die Energiebilanz mit einer Ölheizung eines Einzelgebäudes, dann muss, um „reine 10 kW“ Heizleistung zu erbringen, 100/70 % = 14,2 kWhtherm bzw. 14,2 kWh/10,08 kWh/Liter Heizöl EL ergibt damit 1,40 Liter Öl je Heiz-Stunde.
Der Strom kann jedoch auch durch moderne Erdgas GuD-Kraftwerke mit Wirkungsgraden bis zu 57 % erzeugt werden. In diesem Falle erhält man das ca. 2,5-fache der Nutzwärme aus der gleichen Primärenergiemenge, wie mit der direkten Verbrennung. Ebenso erhält man im Falle der Strom-Erzeugung in einen Biomasse-Kraftwerk mit 35 % Wirkungsgrad immerhin das 1,5fache der Nutzwärme aus der gleichen Menge Holz, als mit der direkten Verbrennung. Aus Umweltgesichtspunkten ebenfalls interessant ist das Wärmeträgermedium (Kühlmittel).
Wärmequellen
Als Wärmequelle dienen:
* Erdwärmekollektoren sind in geringer Tiefe im Erdboden verlegte „Heizschlangen“.
* Erdwärmesonden sind Bohrungen in den Boden bis zu mehreren 100 Metern. In der Regel werden die Bohrungen bis max. 100 Meter ausgeführt, da bei größeren Tiefen die Genehmigung der Bergbaubehörden erforderlich ist. Gegebenenfalls werden mehrere Bohrungen niedergebracht.
* Grundwasser wird in einem Brunnen entnommen und durch einen so genannten Schluckbrunnen zurückgeführt.
* Luft direkt aus der Umgebung bzw. in Verbindung mit Erdwärmeübertrager.
In Deutschland rechnet man mit Temperaturen von 0 °C für Erdwärmekollektoren bzw. Erdwärmesonden und 8 °C für Grundwasser.
Luftwärmepumpe
Der Begriff Luftwärmepumpe wird für verschiedene Systeme verwendet. Daher wird meist noch differenzierter eingeteilt:
* Luft-Wasser-Wärmepumpe: entzieht der Umgebungsluft über einem Wärmeübertrager Wärme und erwärmt damit Heizungswasser.
* Luft-Luft-Wärmepumpe entzieht der Luft Wärme und stellt sie einem Luft-Heizungssystem (Lüftung) zur Verfügung. Dazu muss das Gebäude jedoch über eine entsprechende Heizungs-/Lüftungsanlage verfügen.
Luftwärmepumpen sind preislich günstiger, weil die Komponente zur Aufnahme der Bodenwärme (teure Erdsondenbohrung bzw. Erdwärmekollektor), in der die Direkt- Verdampfung des umweltneutralen Kältemittels erfolgt, entfällt. Jedoch ist bei der Anschaffung ein wichtiges Entscheidungskriterium die aktive Fläche in m² des Verdampfers, weil damit auch die technischen Daten (Leistungs- und Arbeitsziffer) höher liegen als solche mit kleinen Verdampferflächen. Die Luftwärmepumpe hat bei sehr tiefen Temperaturen geringere Effizienz, dagegen bei etwas wärmeren Tagen (etwa +5 bis 0 ° C , die ja die Mehrheit der Wintertage aufweist) bereits sehr brauchbare Werte. Sie lässt sich auch bei Altbauten und Sanierungen gut anwenden. Ihre Jahresarbeitszahl ist geringer als bei den anderen Systemen.
Verbreitung
Der Marktanteil von Wärmepumpenheizungen im Neubau ist sehr landesspezifisch und betrug 2005 bundesweit durchschnittlich 10 %, wobei die erdgekoppelte Wärmepumpe mit einem Anteil von ca. 40 % am erfolgreichsten war. Der Marktanteil hängt stark vom Preis und der umweltfreundlichen Bereitstellung des Stromes ab. Außerdem differieren in verschiedenen Ländern die politische Unterstützung stark. In Deutschland werden beispielsweise immer noch keine bundesweiten Wärmepumpentarife angeboten.
Kosten
Direkte Investitionen
Gute Wärmepumpenheizungen auf Erdkollektor- bzw. Erdsonden-Basis kosten im Neubau kaum viel mehr als eine Ölheizung. Gasheizungen sind jedoch kostengünstiger in der Anschaffung, nicht so sehr im Betrieb.
Eine Wärmepumpenheizung mit Erdsonde und Fußbodenheizung, evtl. auch teilweise Wandheizung, erspart Tankraum, Kamin, Ölbehälter, Jahresservice, Rauchfangkehrer, Stromkosten für Brenner etc.
Indirekte Investitionen
Die Anschlussleistung einer installierten Elektro-Wärmepumpe muss zusätzlich zum allgemeinen Bedarf im Stromnetz bereitgestellt werden. Die Investitionskosten für diese neue Kraftwerksleistung ist zu den Investitionskosten der Wärmepumpe hinzu zu rechnen, da sie ohne diese nicht notwendig wäre. Für eine Wärmepumpe mit 5 kW ergeben sich dabei, je nach verwendeter Technik und Primärenergieträger, Investitionskosten von ca. 2.500 € bis 15.000 €, welche auf alle Stromkunden umgelegt werden. Würden alle Heizungen in Deutschland (ca. 20 Millionen) mit dieser Wärmepumpe ersetzt, wäre dafür der Neubau von 100 Großkraftwerken (je 1 GW) nötig. Dieses Vorhaben ist mit 50 bis 300 Mrd. € Kosten weder finanziell noch logistisch zu bewerkstelligen.
Auch wenn diese zusätzliche Leistung nur an wenigen, sehr kalten Tagen im Jahr, selbst nur für einige Stunden vollständig abgerufen wird, muss sie trotzdem vorgehalten werden. Im Sommerhalbjahr hingegen ist diese Leistung nicht nutzbar, da kein Heizbedarf besteht und der Strombedarf insgesamt niedriger ist. Daraus ergibt sich eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr ungünstige Situation: Der Investitionskostenanteil am Strompreis steigt durch die niedrige Auslastung um ein mehrfaches und muss wieder auf den allgemeinen Strompreis umgelegt werden. Der Strom für Wärmepumpen wird trotzdem deutlich unter dem Normaltarif abgegeben, dies stellt die dritte Subvention der allgemeinen Stromkunden für die Betreiber einer Elektro-Wärmepumpe dar.
Wärmepumpen sind zwar in der Regel mit Abschaltmöglichkeiten (Schaltuhr bzw. Rundsteuerung) versehen, um im Falle der Netzhöchstlast keinen Beitrag zu liefern. Diese Abschaltmöglichkeit ändert aber nichts am beschriebenen Problem der Lasterhöhung im Netz. Moderne, normal ausgelegte Heizgeräte sind an den kältesten Tagen annähernd rund um die Uhr in Betrieb, gelegentliche Abschaltung zu Spitzenlastzeiten sind dabei zwar möglich, eine nötige Vollverschiebung vom Tag in die nächtliche Schwachlastzeit aber nicht. Zum einen würde dies einen großen Wärmespeicher erfordern, zweitens müsste dabei die Leistung der Wärmepumpe verdoppelt werden, was zum beschriebenen Problem wiederum kontraproduktiv ist.
Der Weg der jeweiligen Energieträger vom Abbauort zum Verbrennungsort verursacht in beiden Varianten (private konventionelle Heizung, wie Wärmepumpe) ähnliche Transportkosten, wie bei der Verfeuerung im Kraftwerk.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass eine Elektro-Wärmepumpe außerhalb ihres Einsatzortes indirekte Kosten in mehrfacher Höhe eines konventionellen Heizgerätes verursacht, welche durch den allgemeinen Stromtarif gestützt werden müssen. Den indirekten Kosten muss auch der eingesparte Primärenergieaufwand gegenübergestellt werden.
Betriebskosten
Bei einem derzeitigen Brutto-Strompreis von 20 Cent/kWh (Haushalts-Tarif, Stand 06/2006, inkl. aller Steuern und Abgaben) und einer Jahresarbeitszahl JAZ der Wärmepumpenheizung von 4,0 kostet die Erzeugung der Niedertemperatur-Nutzwärme aus Erdwärme 5 Cent/kWh (brutto). Außerdem entfallen die Kosten für den Schornsteinfeger.
Der Liter Heizöl kostet derzeit (Stand 06/2006) ca. 0,62 € und beinhaltet etwa 10 kWh thermisch nutzbare Energie. Somit ergibt sich ein Preis von etwa 6,2 EuroCent/kWh für Öl.
Sehr moderne Öl-Brennwerttermen weisen im realen Betrieb Wirkungsgrade von mehr als 90 % auf. Damit ergibt sich ungünstigstenfalls für die Erzeugung der Nutzwärme ein Preis von 6,8 Cent/kWh Wärme.
Gas-Brennwertheizungen mit auf den Heizwert bezogenen Wirkungsgraden von über 100 % benötigen laut der Öko-Institut-Studie „Gas-Brennwertheizkessel als EcoTopTen-Produkt“ dennoch 1,114 kWh Primärenergie pro kWh Nutzenergie. Inbegriffen ist dann ebenfalls der Strom, der für die Umwälzpumpe etc. benötigt wird. Sie verursachen daher ebenfalls Kosten in Höhe von ca. 6,8 Cent pro kWh Nutzwärme.
Ein eventuell vom lokalen Stromversorger angebotener Wärmepumpentarif ist bzw. kann erheblich billiger sein als der verwendete Haushaltstarif. Der reine kWh-Preis liegt jedoch immer höher als der von fossilen Energieträgern. Daher ist der nur sinnvoll in Verbindung mit einer Wärmepumpe einsetzbar, die bis zum vierfachen der Energie der Umwelt entzieht. Bundesweite Wärmepumpen-Tarife werden in Deutschland momentan nicht angeboten, da dies in der Verbände-Vereinbarung zum Stromhandel nicht vorgesehen ist. Die Stadtwerke Schwerin bieten beispielsweise einen extrem günstigen Tarif von 10,4 Cent/kWh brutto zzgl. einem Grundpreis von 4,15 €/Monat brutto an.
Verschiedene Stromkonzerne und Wärmepumpenbetriebe veröffentlichen momentan Statistiken, die sich auf sehr günstige Wärmepumpentarife beziehen. Die EnBW veröffentlicht beispielsweise eine Übersicht der Jahresbetriebskosten für 3 Heizsysteme. Demnach verursacht die
Erdwärme-Wärmepumpe: 447,- €/Jahr das sind 375 € für Energie, 72 € für Nebenkosten, in Summe 447 €.
Öl-Zentralheizung: 1.122,- €/Jahr das sind 767 € für Energie, 355 € für Nebenkosten, in Summe 1.122 €
Erdgas-Zentralheizung: 973,- €/Jahr das sind 609 € für Energie, 364 € für Nebenkosten, in Summe 973 €
Diese Kosten beinhalten die Mehrwertsteuer für Nebenkosten, beinhaltend Grundpreise, Schornsteinfeger, Wartung, benötigte Versicherungen, TÜV und Strom für Pumpen und Brenner. Als Referenz-Objekt wurde eine Sole/Wasser- Wärmepumpe mit Erdsonde als Wärmequelle für die Beheizung eines 150 m² Einfamilienwohnhaus mit 90 kWh/m² pro Jahr; die Ölheizung mit Niedertemperatur- Kessel und die Erdgas- Zentralheizung mit einem Brennwertkessel ausgerüstet. Aktuelle Strompreise zum 1. Quartal 2005 für den Wärmepumpenbetrieb (EnBW Wärmepumpentarif) beträgt 9,5 ct/kWh, 40,9 ct/Liter Heizöl und 4,06 ct/kWh (EnBW Gas GmbH) für Erdgas, welches, wie der Jahresbeginn 2006 zeigte, auch unsichere Importware darstellt.
Volkswirtschaftlich betrachtet, haben Wärmepumpenheizungen das Potenzial, Brennstoffimporte zu reduzieren. Durch die Nutzung der Erd- oder Umgebungswärme kann der Verbrauch von Erdgas und Heizöl verringert werden. Der Blick zum obigen Preisvergleich gibt zugleich auch einen Abhängigkeitsgrad der Gas- Ölheizungen vom Ausland bekannt.
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